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Thüringen-Mystery-Krimi "Ohne Grenzen"

Als das Gespann fast an Eric vorüber war, wandte ihm der Passagier langsam den Kopf zu. Nicht, dass Eric diese Bewegung wirklich gesehen hatte, geschweige denn irgendwelche Gesichtszüge, vielmehr spürte er, dass ihn die Augen dieses Menschen durchdringend ansahen, ihn durchbohrten wie kalte, bläulich schimmernde Eiszapfen.

In diesem Augenblick schien die Zeit stehen zu bleiben. Der Wind verstummte auf einen Schlag, und auch der Schneefall verebbte zu einem kaum wahrnehmbaren Rieseln. Die rabiaten Geräusche, die das Gefährt verursachte, drangen nur noch gedämpft zu Eric.

Nur wenige Sekunden ruhte der Blick des Mannes auf Eric, und doch drückte er unendlich viel aus. Vor allem eine Mahnung schien darin zu liegen. Eric spürte, dass diese Gestalt ihm nichts antun würde, ihn aber mahnte, keine Fragen zu stellen und am besten mit niemandem über das Geschehene zu sprechen. Und über all dem vermittelte der Blick das Gefühl lange angestauten Hasses, nicht gegen Eric, als vielmehr gegen die Welt im Allgemeinen. Letzten Endes umgab den Menschen dort im Schlitten eine so profunde Traurigkeit, dass Eric sie wie eine Faust im Magen spürte.

Das Gefährt glitt vorüber, und wie auf Kommando setzten Schneefall und Wind wieder ein. Verstört und sprachlos blickte Eric dem Gespann hinterher, das rasch in östlicher Richtung verschwand und durch den weißen Vorhang immer undeutlicher zu sehen war.

Bevor es vollkommen von der bleichen Schneewand verschlungen wurde, schwenkte schwenkten die Pferde es nach rechts aus und durchbrach den Schneewall auf der südlichen Straßenseite. Weiße Wolken stoben auf, hüllten das Gespann kurz ein, bevor die Pferde den Schlitten offenbar mühelos mit unverminderter Geschwindigkeit den Hang zum Brandenberg hinaufzogen. Erst dort, zwischen dicht stehenden Bäumen, auf deren Ästen schwer der Schnee lastete, entzog sich die Erscheinung endgültig Erics Blicken.

 
 
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